my first week in AKL

So, nach einer Woche im Studentenwohnheim, habe ich mich dann doch ein wenig hier einleben können. Anfangs dachte ich nur: "Oh Gott, was habe ich verbrochen, dass ich hier nun die nächsten 12 Wochen unterkommen muss!?". Das Wohnzimmer mit integrierte Küche und das Bad waren auf den ersten Blick eigentlich ganz in Ordnung. Jedoch mein 2x3m großes Zimmer kam mir vor wie eine VIP-Gefängniszelle. Möbel und Wand haben einfach mal die gleiche Farbe. Wie kann man nur sowas machen? Dadurch wirkt alles irgendwie ganz schön kalt und eintönig. Nachdem ich dann aber meinen Koffer ausgepackt hatte und mich eingerichtet, sah das Ganze schon anders aus. Spätestens, als ich dann Fotos, Fahnen und Landkarte aufgehangen hatte. Den klassischen vorher-nachher Vergleich könnt ihr euch unten auf den Bildern mal anschauen. Dort seht ihr auch den Rest der Wohnung und die Sicht die ich aus meinem Zimmer habe. Ganz am Ende kann man sogar das Meer erahnen.

Mittler Weile fühle ich mich hier in der bescheidenen Butze eigentlich auch ganz wohl. Viel tragen auch meine Mitbewohner dazu bei, mit denen ich mich echt gut verstehe und es auf jeden Fall ein recht unkompliziertes und stets witziges Zusammenleben ist. Ich teile mir das Apartment mit Fabio aus Brasilien, Salim aus Saudi Arabien und Pieter, ebenfalls aus Deutschland. Der fünfte im Bunde, kommt aus Spanien, ich glaube er heißt Josef. Er schafft es auf bizarre Art und Weise für ein paar Tage völlig inkognito hier zu leben (déjà vu: von dieser Sorte hatte ich doch schon mal eine Mitbewohnerin). Deswegen haben wir mit ihm auch kaum etwas zu tun. Nur nachts, da hört man ihn schnarchen! :D Naja, glaube er ist aber auch schon Ende 40, passt dann natürlich auch nicht ganz so gut zu uns Anfang bis Mitte 20 Jährigen. Aber, unterhalten kann man sich ja trotzdem mal. Any way, die vier haben diese Woche auch mit ihrem Englischkurs angefangen. Heißt wir werden die nächsten elf Wochen noch weiter gemeinsam hier verbringen. Ich denke das wird eine ganz lustige Zeit werden. Mal sehen was alles so passiert! 

Seid Montag bin ich auch wieder "back to school" oder um es mit dem Spruch auszudrücken, der auf der Karte von meinen lieben Arbeitskollegen stand: "runter von der Straße". Denn am Montag ging es direkt schon mit dem Englischkurs los. Ich hatte zwar nicht erwartet, das ich alleine bin, aber das von 126 Teilnehmern bestimmt 90% aus China kommen, damit hätte ich nun auch nicht gerechnet. So sind in meiner Klasse unter den 18 Studenten mit mir gerade mal drei Nichtchinesen. Und das ist quasi doch wie alleine, denn wenn sie nicht unbedingt müssen sprechen sie natürlich lieber Chinesisch als Englisch. Und da ist mal als Deutscher schon eine Rarität und leider manchmal auch ein wenig außen vor. Ich weiß gar nicht, wie die so Englisch lernen wollen. Was eigentlich schade ist, weil die ja sicherlich auch viel Geld für diesen Kurs bezahlt haben und so gar nicht so richtig davon profitieren können. Aber es sind auch ein zwei ganz nette dabei, mit denen man sich doch ganz gut unterhalten kann und auch mal in der Pause oder nach dem Unterricht noch nen Kaffee trinken gehen kann. So habe ich dann auch zwei gefunden, mit denen ich mein Research Project machen kann. Wir müssen nämlich im Rahmen des Vorbereitungskurses eine kleine Thesis schreiben, ähnlich wie eine Bachelor- oder Masterarbeit, nur im deutlich reduzierten Umfang, ca. 5.000 Wörter. Das sollte ja zu dritt machbar sein. Das Projekt soll auch ein Umfrage von min. 100 Leuten enthalten. Das finde ich richtig gut, denn so kommt man auch noch mal ein bisschen in der Stadt rum und vielleicht auch mal in Kontakt mit ein paar Neuseeländern. Denn dieses richtig originale Englische kommt unter den ganzen internationalen Stunden ja nicht so durch. Unser Thema für das Projekt wir "The Quality of living in Auckland" sein. Denn da lag Auckland in den letzten Jahren immer unter den Top 5. Mal gucken was die Menschen hier so dazu zu sagen haben. 

Die erste Woche im Sprachkurs war eigentlich recht entspannt, da noch viele Organisatorische Sachen geklärt wurden und Alles erklärt bekommen hat. Und wenn ich Alles meine, meine ich auch wirklich Alles. Von unnützen Dingen wie, wie benutze ich den Computer im Computerlabor richtig bis hin zu auch hilfreichen Sachen wie, wie bekomme ich den Studententarif für meine Buskarte. Teilweise sehr praktisch, teilweise auch sehr nervig, weil einem Alles echt zwei Mal erklärt wird. Leider ist es so auch ein wenig im Unterricht. Wie die Aufgabe zu erledigen ist wird ausführlich besprochen, das Ergebnis ist das einfach Fakt und wird gar nicht mehr groß erklärt. Liegt vielleicht auch ein bisschen an der Mentalität der Chinesen, die das Ganze anscheinend echt stumpf auswendig zu lernen scheinen und ohne große Nachfragen hinnehmen. Das z.B. in einem Lückentext das simpel present anstatt dem present progressive auch richtig sein kann, der Satz dann nur eine andere Bedeutung hat, gerät total außer Acht. Na, so übt man sich dann auch noch mal im interkulturellen Verständnis. Was ich jedoch immer noch nicht so ganz verstehe, ist das wenn sie mich mal nicht verstehen, sagen sie einfach nur "ahh" oder "ehh", gucken weg und machen was anderes oder fangen mit einem neuen Thema an. Ich wiederhole den Satz dann meisten schon. Und dann freuen sie sich doch, dass sie mich verstanden haben!

Peanut Butter & Marmelade =)

Ansonsten habe ich die Woche noch genutzt um meinen Alltag ein wenig zu organisieren und habe Fragen wie, Wo kann ich meine Wäsche waschen? und Wo ist der nächst beste Supermarkt? geklärt. Ich habe mir aber auch ein paar Laufschuhe gekauft, damit ich mich wieder sportlich betätigen kann. Außerdem lerne ich dabei die Stadt und Umgebung auch immer besser kennen. Schade nur, dass ich beim ersten Lauf gestolpert bin, mir mein iPhone aus der Hand gefallen ist und der Bildschirm gerissen ist. So schnell kann's gehen. Erst voller Freude über die neuen Schuhe und fünf Minuten später total geknickt wegen des iPhones. Eine Stunde und $90 später war zum Glück schon alles wieder heile. Trotzdem super ärgerlich das Ganze.
Mein erster Einkauf ist natürlich auch gleich mal etwas größer ausgefallen, weil ich so ziemlich alles brauchte. Aber Danke der super praktischen Einweg-Plastiktüten, die man hier überall bekommt, die sich auf dem Weg nach Hause dann auch so toll in die Handflächen einschnüren, war das kein Problem den ganzen Krams transportiert zu bekommen. Größte Errungenschaft dabei waren die Peanut Butter, die es hier übrigens auch im 1 kg Glas gibt, und die Himbeermarmelade. Das reicht mir bekanntlich ja schon zum überleben. Nicht schlecht gestaunt habe ich über das Toastbrot Regal. Ich hatte vorher schon in einem Reiseführer gelesen, das Toastbrot neben Cola der meist gekaufte Artikel in Neuseelands Supermärkten ist, aber das ich dann gleich so viel Auswahl habe, hätte ich nicht gedacht. Von Hell bis Vollkorn, mit Körners, ohne Körners, drei zum Preis von zwei, Holland und Italian Style, ... gefühlt ist alles dabei was man sich vorstellen kann. Ist wohl sehr begehrt hier. Vielleicht auch, weil es keine Bäcker gibt, wie wir sie aus Deutschland kenne. Dafür gibt's O-Saft aus Österreich =P

An der Kasse angekommen, läuft es dann etwas anders ab als in Deutschland ab. Wie ich finde aber deutlich effizienter und auch fairer. Denn es gibt nur eine Schlange, an der man sich anstellen kann. Der Erste in der Schlange läuft dann weiter zur nächsten freien Kasse usw. Außerdem bekommt man seinen Krams in die bereits erwähnten Plastiktaschen verpackt. Das müsste man mal zu uns nach Deutschland exportieren. Für ganz Fixe gibt es dann auch noch den "Self Checkout", bei uns als Express-Kasse bekannt, wie es sie bei einem großen schwedischen Möbelgeschäft gibt.

Toastbrot Regal im "New World Supermarket"

Übrigens schreibe ich euch gerade aus meinem neuen Lieblingscafé, nachdem ich bei all meinen Touren durch die Stadt gesucht habe. Da Starbucks ja bekanntlich etwas überteuert und überlaufen ist und auch, wie ich finde, gar nicht mal ganz so gut schmeckt, war ich auf der Suche nach einer adäquaten Alternative.  Die da nun Gloria Jeans Café heißt. Eine wirklich gemütliche und entspannte location, gleich bei mir um die Ecke, in der man sich auch mal in aller Ruhe für ein paar Stunden mit seinem Laptop niederlassen kann. Was auch von vielen Studenten gerne gemacht wird. Also genau das richtige für mich =)

Am Wochenende stehen leider noch ein paar Hausaufgaben für mein Research Project an. Wenn es das Wetter zulässt werde ich noch mal einen Versuch mit den Laufschuhen starten. Denn das ist hier im Moment äußerst wechselhaft. Das eine Mal schüttet es aus Kübeln, ne Viertelstunde später ist dann schon wieder blauer Himmel und Sonnenschein. Leider auch noch alles zwischen 10 und 15 Grad, hmm =/ Außerdem habe ich mir für das Wochenende noch zur Aufgabe gemacht einen anständigen Friseur zu finden. Vielleicht schaffe ich es auch noch mal mit der Kamera los zu ziehen und ein paar nette Bilder von der Stadt zu machen.

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Wochenende. Vielleicht hören wir uns ja sogar mal per Skype!

Liebe Grüße aus Auckland

Kia ora, Colja

Gloria Jeans Café

[20.SEP'14  -  Glorias Jeans Café  -  bei einem Flat White und einem Blueberry Muffin]