WARUM NEUSEELAND UND WIE ES EIGENTLICH DAZU KAM 1/2

Viele fragen sich jetzt sicherlich, „Warum muss das ausgerechnet Neuseeland sein? Das’ doch sooo weit weg!“. Dem kann ich natürlich nicht wiedersprechen. Aber vielleicht ist es genau das, was ich im Moment brauche. Einfach einmal Abstand von dem zu bekommen, was bisher war, auch geografisch. Einfach einmal alles andersherum: Weihnachten im Sommer, Snowboarden im August, zehn bis zwölf Stunden Zeitverschiebung, Linksverkehr, rechts drehende Drehtüren, im Norden ist es wärmer als im Süden... and so on. Ob das Wasser im Waschbecken wirklich linksherum verschwindet werde ich dann vor Ort sehen. Aber anerkannte Physiker aus meinem Freundeskreis (an dieser Stelle einen lieben Gruß an Frauki) haben mir schon erklärt, dass die in diesem Zusammenhang viel zitierte Lorenzkraft sich erst in größeren Höhen der Erdatmosphäre bemerkbar macht. Also keine Auswirkung auf den Strudel im Waschbecken hat. Vielmehr seien es die Oberfläche oder Schmutzablagerungen die dem Strudel die Richtung geben.

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By the way, um wieder zum Thema zurück zukommen, Berlin Auckland ist die längste Flugstrecke, die man zurücklegen kann. Nur leider gibt es noch kein Flugzeug das diese Strecke non-stop fliegen kann. Vielleicht ja eine Challenge für mich, wenn ich nach dem Master wieder zu Airbus zurückkehre. Spaß bei Seite, wie bin ich nun wirklich auf Neuseeland gekommen. Dazu muss ich doch ein wenig ausholen und bei meinen Planung für nach dem Bachelor anfangen. 2009 habe ich bei Airbus mein duales Studium zum Bachelor of Engineering (Luft- und Raumfahrt) mit integrierter Ausbildung zum Fluggerätmechaniker begonnen. Im September 2012, ein Jahr vor Abschluss des Studiums, hatte ich dann die Möglichkeit mich für ein internes „Förderprogramm“ zu bewerben und habe auch eine Zusage bekommen. Das „Förderprogramm“ gibt mir die Möglichkeit meinen unbefristeten Arbeitsvertrag für die Zeit eines Masterstudiums ruhend zu stellen. Zwar bekomme ich in dieser Zeit dann kein Gehalt mehr, aber mein Arbeitsverhältnis bei Airbus bleibt bestehen und wird nach Beendigung des Masters wieder aktiviert. Da mein Jahrgang erst der zweite Jahrgang war, dem dieses „Förderprogramm“ angeboten wurde, war die Nachfrage sehr gering. Zwar habe ich mich damals ohne eine wirkliche Vorstellung dessen beworben, was ich mit dieser Förderung anstellen möchte, aber ich wollte nach dem Bachelor einfach eine Option mehr zur Verfügung haben. Und ich habe ja auch keinem einen Platz weggenommen. Also alles tutti. 

Ein paar Jahre zuvor hatte ich auf einer Berufsmesse in Bremerhaven die TU Delft in den Niederlanden entdeckt, die hatte ich ohne wirkliche Ambitionen übrigens einfach mal bei meiner Bewerbung für das „Förderprogramm“ angegeben. Habe mich dann aber mal etwas genauer mit dem Masterangebot dort beschäftigt und war auch bei einer Infoveranstaltung vor Ort. Vom Niveau und Organisation der gesamten Uni war ich sehr angetan. Besonders wie international sie aufgestellt war und welche Möglichkeiten einem geboten wurden weltweit Kontakte zu knüpfen. Zudem genoss die Faculty of Aerospace Engineering einen sehr guten internationalen Ruf. Also schmiedete ich den Plan meinen Master auf English zu machen. Am besten noch im Ausland. Ich dachte mir, mit der Möglichkeit die mir die Absolventenförderung von Airbus bietet muss ich etwas besonderes anfangen, was ich nicht machen kann wenn ich nach dem Bachelor bei Airbus in Bremen bleibe. Dabei schloss ich die Option, weiter an der Hochschule in Bremen zu studieren aus, weil ich das ja schon gemacht habe und ich der Meinung bin, dass es mich weiter bringt, wenn ich die zwei Jahre lieber in Bremen bei Airbus arbeite. Also war Favorit für das Masterstudium zu der Zeit die Technical University in Delft.

Jedoch musste ich bei der Infoveranstaltung im April 2014 leider feststellen, dass die Anmeldefrist für den Semesterstart im September Ende März abgelaufen war. Stellt sich mir ganz ehrlich die Frage, wer plant eine Infoveranstaltung nach Ablauf der Anmeldefrist!? Mal ganz abgesehen davon, dass sie ein halbes Jahr vor dem Semesterstart liegt. Das schaffen auch nur die Holländer! Nur blöd, dass damit meine Pläne für nach dem Bachelor erst einmal auf Eis gelegt waren. Da ich keinen wirklich besseren Plan hatte, wo ich nun studieren soll und ich auch nicht einfach „irgendwo“ einen Master machen wollte, nur um anschließend einen Master zu haben (da greift wieder das Argument, warum ich auch nicht an der HS Bremen weiter studieren will), beschloss ich nach dem Bachelor erst einmal ein Jahr bei Airbus bleiben. Denn eine Übernahme nach dem Bachelor war mir zugesichert und das Förderprogramm ließ dies ebenfalls zu. Die Betriebsvereinbarung dazu besagt lediglich, dass man innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung des Bachelors mit dem Masterstudium angefangen haben soll. So wollte ich das Jahr nutzen, um wirklich das geeignetste Studium oder auch den geeignetsten Ort für mich zu finden. Aber auch, um erste „wirkliche“ Berufserfahrung zu sammeln. Wie sich hinterher herausstellte war dies auch eine sehr weise, zwar auch etwas aus der Not entstandene, Entscheidung. Aber manchmal sind es halt auch Zufälle, die einem im Leben weiter bringen.

Die zuständige HR-Abteilung war nicht wirklich begeistert, dass ich mich so entschieden habe, aber das waren die Spielregeln, mit denen wir in Rennen gegangen sind. Naja ich war aber auch der Erste, der dieses Jahr in Anspruch genommen hat, vielleicht lag es auch daran. Oder ich war sogar der Letzte und der Paragraf wird aus der Betriebsvereinbarung gestrichen. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Wobei ich im Nachhinein eigentlich nur jedem raten kann zwischen Bachelor und Master etwas Berufserfahrung zu sammeln. Denn man lernt doch noch mal einiges dazu. Fachlich wie menschlich. Aber vor allem startet man mit ganz anderen Voraussetzungen in sein Masterstudium, als das man es sonst tun würde.

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So bin ich im Oktober 2013 dann in der Abteilung DBI (Performance and Improvement) als Project Manager gelandet. Eine kleine win-win Situation für beide, die Abteilung und für mich. Denn die Stelle wurde extra für mich erschaffen und war somit auch an mich gebunden. Ich hatte für das eine Jahr einen Job und die Abteilung für das Jahr einen Mitarbeiter mehr als eingeplant. Vielleicht war es auch das, was die HR-Abteilung der Förderung nervte, da für mich extra eine neue Stelle erschaffen werden musst, weil keine Abteilung eine reguläre Stelle mit jemanden besetzten will, der in einem Jahr schon wieder weg ist. An der Stelle müsste man dann wohl das System der Förderung noch mal überdenken. Egal, ich war mehr als glücklich in dieser Abteilung gelandet zu sein. Ich habe die 10 Monate die es dann letztendlich nur waren, sehr genossen, viel dazu gelernt und mich, denke ich, auch persönlich weiterentwickeln können. Aber vor allem habe ich so etwas Zeit gewonnen, mir in aller Ruhe Gedanken zu machen wie es nun weiter gehen soll und was ich mit der Förderung anstellen möchte.

In der Unterabteilung DBI2 (Projects and Strategy), in der ich als Project Manager gearbeitet habe, werden kleiner Projekte betreut die zur Produktionssteigerung und Optimierung in der Fertigung beitragen sollen. Aber auch Projekte oder Anschaffungen die auf Grund von Kapazitätshochläufen oder Gesetzesänderungen betreut werden müssen. Dazu steht jedes Jahr ein gewisser Betrag zur Verfügung. Ziel ist, dieses Geld möglichst gewinnbringen auszugeben bzw. die Projekte in der Hinsicht zu betreuen, dass durch die Investition ein größtmöglicher Benefiz erzielt wird. Als Projekt Manager ist man Schnittstelle aller in das Projekt involvierter Bereiche, wie dem Fachbereich, Finance, Procurement, Health and Safety, Ergonomie, Medical Service, Maintenance, ... aber hat auch einen engen Kontakt zur Werksführung um deren Strategie einzuhalten. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, für die von mir betreuten Projekte einen Terminplan zu entwerfen, die nötigen Investitionen im Zusammenhang mit dem zur Verfügung stehenden Budget auf zu planen und die Projektarbeit zwischen allen involvierten Bereichen zu koordinieren bzw. sicher zu stellen. Anfangs brauchte ich doch etwas Zeit um mich in alle Prozesse einzuarbeiten, aber als ich den gesamten Prozess einmal durchlaufen hatte, fing es beim zweiten Mal echt an Spaß zu machen. Man hat nun schon ein wenig Erfahrung mitgebracht und wusste wie das Ganze im groben ab zu laufen hat. Ich habe die Arbeit auf Grund der vielen Kontakte und Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche und Projekte sehr genossen. Was mir jedoch am meisten in Erinnerung bleibt, ist der  ausgesprochen menschliche und vor allem auch freundschaftliche Umgang mit meinen Kollegen. Die mich auch bei der Suche nach dem perfekten Studienort tatkräftig unterstützt haben. Mich später auch in meiner Entscheidung nach Neuseeland zu gehen gestärkt haben.

[07.SEP’14  -  Playa Beach Resort, Tioman, Malaysia  -  Tauchurlaub mit Paps]